Lehramtsstudenten der Universität Paderborn zu Gast am Barnim-Gymnasium

 

Am 3. März 2017 besuchten uns zum zweiten Mal Lehramtsstudenten der Universität Paderborn – in Begleitung ihrer Professorin, Frau Dr. Sabine Radtke, vom Departement Sport & Gesundheit – mit dem Ziel, eventuellen Verunsicherungen oder Berührungsängsten in Bezug auf Menschen mit Handicap – vor allem während des Sportunterrichts – vorzubeugen. Unser Inklusionsteam – vertreten durch Frau Pupke und Frau Krupa von der Carl-von-Linné-Schule – und die Rollstuhlfahrer/innen Monique und Felix aus den 10. Klassen sowie zwei Schulhelfer/innen gaben unsere Erfahrungen gern weiter bzw. bereitwillig Auskunft zum Thema: Inklusion in Theorie und Praxis. Wir – auch unser Schulleiter, Herr Schmidt-Ihnen – hatten das Gefühl, zu der anschließend offenen Diskussion mit Erfolg beigetragen zu haben. Doch lesen Sie selbst – ein Feedback in Auszügen seitens unserer zukünftigen Kolleg/innen:

[…] Einen deutlicheren Eindruck, wie genau Rollstuhlfahrer im Sportunterricht aktiv werden können, haben wir beim Besuch im Barnim-Gymnasium bekommen, bei dem wir Monique kennenlernten. Monique sitzt im Rollstuhl und hat uns von ihren Erfahrungen, aber auch Problemen im Sportunterricht berichtet. Gerade ein Bericht von einer Person, die den Sportunterricht mit Rollstuhl mitmacht, hilft viel mehr als nur Beschreibungen von Personen, die gar nicht selbst im Rollstuhl sitzen. Monique hat uns dabei zwei Seiten des Sportunterrichts aufgezeigt, indem sie erzählte, dass es durchaus Themenbereiche gibt, in denen sie nicht aktiv am Sportunterricht teilnehmen kann. Dies ist zum Beispiel in der Leichtathletik der Fall. Nichtsdestotrotz hilft sie ihren Mitschülern dann entweder als Schiedsrichterin mit der Stoppuhr oder sie trainiert mit ihrer Schulhelferin Kraftübungen, die zum Erhalt ihrer Körperfunktionen beitragen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Sportarten, die Monique mit ihrer Klasse mitmachen kann. Beispiele hierfür sind Volleyball, bei dem das Netz ein wenig tiefer gehängt wird, damit Monique den Ball über das Netz schlagen kann, oder auch Basketball, den sie zusätzlich selbst im Verein „Pfeffersport“ spielt. Monique hat mir gezeigt, dass Menschen mit Beeinträchtigungen glücklich sind, wenn sie am Sport in der Schule und generell am Schulleben ohne Probleme teilnehmen können, und es sich deshalb lohnt, von Lehrerseite einen zusätzlichen Aufwand in Kauf zu nehmen, damit alle Schüler Spaß am Sportunterricht haben können.

   

Einen bleibenden Eindruck am Barnim-Gymnasium hat bei mir vor allem die dortige Inklusionsbeauftragte Frau Pupke hinterlassen, die uns herzlich empfangen und durch den Vormittag begleitet hat. Ihre Art und Weise, mit der sie sich in der Schule engagiert, ist beeindruckend. Selbst wenn es eine Reihe von Problemen gibt, sie versucht alles, damit diese gelöst werden können. In diesem Zusammenhang erzählte sie uns von der Planung einer Klassenfahrt, bei der aufgrund eines Rollstuhlfahrers einige Dinge mehr beachtet werden müssen. Dies schreckt sie jedoch nicht ab, sie sieht es eher als eine Berufung, die Fahrt erst recht auf die Beine gestellt zu bekommen. Hierbei arbeiten alle Lehrpersonen am Barnim-Gymnasium eng zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Beim Verlassen der Schule dachte ich sofort, dass ich mir vorstellen könnte, an dieser Schule zu arbeiten: Denn das Klima, das unter den Lehrpersonen herrscht, aber auch das, was die Beziehung zwischen Lehrpersonen und Schülern anbelangt, ist einzigartig. Von der Persönlichkeit von Frau Pupke und ihren Kollegen kann ich als Student noch sehr viel lernen und für meine Zukunft mitnehmen.

Am letzten Tag der Exkursion haben wir das Barnim-Gymnasium besucht. Auch dort hat mich die freundliche und offene Art des Inklusions-Teams beeindruckt. Besonders gut war, dass eine Schülerin, die im Rollstuhl sitzt, ebenfalls an der Gesprächrunde teilnahm. Dadurch dass wir die Möglichkeit bekamen, ihr Fragen zu stellen, konnten sich ein paar Bedenken meinerseits lösen. Ich dachte immer, dass sich Menschen mit Beeinträchtigung an einer normalen Regelschule unwohl und als Außenseiter fühlen könnten, da sie an bestimmten Abläufen nicht oder nur bedingt teilnehmen können. Die Schülerin erzählte aber, dass sie eine so tolle Klassengemeinschaft, die sehr rücksichtsvoll mit ihr umgeht, habe. Dadurch fühlt sie sich in Situationen wie bei Klassenfahrten (alles muss barrierefrei sein etc.) nicht mehr allzu unwohl. Also: Inklusion scheint wirklich umsetzbar zu sein.

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Am letzten Tag besuchten wir das Barnim-Gymnasium, was persönlich mein absolutes Highlight war. Zum einen, weil ich auf das Lehramt Berufskolleg studiere und in meinem späteren Alltag keine Berührungspunkte mit Grundschülern haben werde und weil diese Schule am authentischsten wirkte. Wir wurden sehr höflich empfangen und durften uns zunächst die Schule im Alleingang ansehen. Natürlich sind wir Sportstudenten gleich in die Sporthalle geeilt […] Nach der großen Pause trafen wir uns in einem Klassenzimmer und wir durften eine Diskussion führen mit dem Schulleiter, dem Lehrpersonal, den Schulhelfern und einer behinderten Schülerin. Das fand ich unglaublich spannend, die Sichtweise der Schülerin zu hören. Wie sie ihren Alltag bzw. ihren Schulalltag erlebt und das Zusammensein mit anderen Kindern ohne Behinderung. Ich fand es richtig gut, die Meinung von Menschen zu hören, die das Thema Inklusion unmittelbar betrifft. Ich muss sagen, dieser letzte Tag und dieser letzte Besuch am Barnim- Gymnasium haben mich am meisten berührt und mir am meisten gebracht.

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Zusammenfassend möchte ich sagen, dass mir diese Exkursion persönlich sehr viel gebracht hat. Am letzten Tag wurden mir die meisten Ängste und Unsicherheiten genommen, die ich zu Beginn gehegt hattee. Natürlich kann ich nicht behaupten, dass sie gänzlich verschwunden sind, dennoch weiß ich jetzt, dass es keinen Grund gibt, Ängste zu haben. Menschen mit Behinderung sind auch nur Menschen und auch Menschen ohne Behinderung haben so ihre Einschränkungen. Ich fand es unfassbar informativ, was die einzelnen Schulen in den vergangenen Jahren auf die Beine stellten. Dies wünsche ich mir auch für die Schulen in NRW. Dennoch ist mir bewusst, dass solche Aufgaben niemals alleine gestemmt werden können, da es unerlässlich ist, gewisse Strukturen aufzubauen, um diesen Herausforderungen gewachsen zu sein. Ich bin sehr gespannt, was mich an meiner späteren Schule erwartet und auch, ob ich mit dem Thema Inklusion genauso konfrontiert werde, wie eventuell die Kollegen in den Grundschulen. Ich bin sehr froh, mich für diese Exkursion entschieden zu haben, da genau solche Informationsquellen unerlässlich sind, was dieses absolut aktuelle Thema betrifft. Vor Ort zu sein und sich die Geschehnisse live anzusehen und Fragen zu stellen, finde ich sehr viel besser, als sich eine Vortragsreihe anzuhören. Denn ich denke, Inklusion kann am Besten in der Praxis verstanden werden.

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[…] Mich hat sehr beeindruckt, mit welcher Hingabe und Leidenschaft sich die Menschen, die wir kennenlernten, diesem Thema widmen, um es voranzutreiben und aktiv umzusetzen. Dieses positive Denken und der Mut, offen an dieses oft brisante Thema heranzutreten, war für mich die wichtigste Erfahrung, weil es mir zeigte, dass ich mit einer offenen und positiven Grundeinstellung schon einen Großteil meiner anfangs eher negativen Meinung korrigieren kann. Wichtig für mich war auch zu sehen, dass es Menschen gibt, die ohne oder mit wenig Vorerfahrungen im Umgang mit Inklusion jetzt als Lehrer oder Trainer alltäglich mit Inklusion zu tun haben und sich bei ihrer Arbeit wohl fühlen […] Abschließend kann ich festhalten: Die Exkursion nach Berlin hat sich positiv auf meine Sichtweisen zur Inklusion ausgewirkt. Ich sehe es nun vielmehr als eine Chance, die sich uns bietet, da alle, die an diesem Prozess mitwirken, davon profitieren können.

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Der letzte Tag war für mich aufgrund meiner Studienrichtung der spannendste, weil wir ein Gymnasium besuchten. Schon zu Beginn, beim Rundgang, gefiel mir das Schulgelände sehr gut. Es bietet viel Raum und ist sehr modern eingerichtet. Ich denke, dass auch Aspekte wie diese keine ganz unwichtige Rolle bei der Wahl der Schule nach dem Studium spielen. In dieser Schule sprachen wir mit verschiedenen Mitarbeitern und einer Schülerin mit Behinderung. Es brachte mir viel, einige Dinge aus ihrer Perspektive erzählt zu bekommen. Man hatte nach dem Gespräch mit ihr den Eindruck, dass sie sich sehr wohl fühlt in der Schule und der inklusive Gedanke sehr gut umgesetzt wird. Solch ein Beispiel verdeutlicht einem, dass Inklusion auch in weiterführenden Schulen gut umsetzbar sein kann. Zwar ist mir bewusst, dass dies mit einem größeren Arbeitsaufwand verbunden ist und es zusätzliches Schulpersonal, wie z. B Schulhelfer oder Sonderpädagogen, braucht, jedoch ist das Ergebnis dieser Arbeit beeindruckend. Zwei Schulhelferinnen hatten uns von ihrer Arbeit und von einigen extremen Beispielen aus dem Unterricht berichtet. Dadurch konnte ich verstehen, welch wichtige Rolle sie in einer inklusiven Schule haben und warum sie dort so unverzichtbar sind.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich sehr froh bin, an dieser Exkursion teilgenommen zu haben, und es jedem angehenden Lehrer, der sich auch für Inklusion interessiert, nur weiterempfehlen kann.

 

I.A.M.W.

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