Barnimer Theaternächte – 9.-11. März 2016

Eine Rezension von Maggie Werner

Will ich das – 2066?!

Ja, wir wollen – 2016!

Meep-meep

Seid gegrüßt Erdenmenschen,

2016 wird das unvorstellbare Szenario einer Alien-Invasion nun wahr.

Die Weltherrschaft wollen wir an uns reißen und Planet Erde fällt uns als

Erstes zum Opfer.

Seht zu, wie wir euch manipulieren und uns unter euch mischen.

Macht euch gefasst auf haufenweise Champagner, Gefühlschaos und

eine außerirdische Liebe auf den zweiten Blick, die wie von einer

kosmischen Macht gelenkt zu sein scheint.

Zerstören wir euch? Reisen wir wieder ab?

Das müssen wir noch entscheiden.

Findet in der Zeit das Ufo.

Meep-meep

Wir sind up to date: 2016! Und jeder von uns fragte sich schon mal, ob er bzw. sie das Jahr 2066 überhaupt herbeisehnte?! – so, wie wir es uns vorstellen: unserem Heute entfremdet. Wir – das sind zwei Kurse aus dem Jahrgang DS – und wir bieten zwei Stücke, die sich mit dieser Problematik beschäftigt haben.

Die Idee dazu sei einfach über sie gekommen, bei einem einfachen Brainstorming mit ihrer Kursleiterin, behauptet einer der Darsteller: Sie hätten auch schlicht zu wenig Zeit gehabt, um es ‚perfekt‘ zu gestalten, bestätigt die Begleiterin der beiden Stücke. So ist eben nicht nur Theater, so ist das Leben: ein fortwährender Prozess ohne Ende, aber mit zwischenzeitlich gelungenem Happy End.

Na denn, wollen wir doch mal sehen, was daraus geworden ist? Aus der Invasion der Aliens, die irgendwie unter die Menschen gekommen sind: einheitlich gewandet in Frühlingsgrün sind sie und kleine Antennen haben sie an ihren Köpfen, ansonsten sehen sie aus wie Du und ich. Und sie benehmen sich auch so, ganz unter sich: schnatternd aufgeregt, gelassen oder fanatisch. Meep, meep. Kein Mensch sieht sie, aber sie beobachten die Menschen ganz genau, sezieren sie förmlich, scannen sie physisch und psychisch. Meep, meep. Warum das denn? Na, sie wollen Lernen: Wie bewegen sich diese Erdenwesen? Auf der Straße, zu Hause, im Büro, auf dem Bürger- oder Standesamt, beim Friseur, im Fernsehen – bei der Arbeit und während der Freizeit. Meep, meep. Was und wie reden sie, wie fühlen sie, wie ticken sie? Die kleinen Leute, die ‚Gebüldeten‘, das Liebespärchen, die beamteten und die freien Mitarbeiter. Meep, meep. Und dann wird analysiert und interpretiert und imitiert und manipuliert, in der Alienrunde. Am Anfang scheint es einfach. Bla, bla. Man redet so dahin in der Alltags- und in der Liebeswelt. Bla, bla. Doch wie reden denn die da? Diese pseudobürgerlichen Schnösel oder die mit dem komischen Dialekt, die Computerspielleute oder die Wissenschaftler, die Amts- oder die Machtpersonen oder die Fernsehfritzen vor und hinter der Kamera. Bla, bla?

Verstehen ist nicht Verstehen und nicht Verstehen. Man sieht nur mit dem Herzen gut – oder mit tradierten Emotionen und Erfahrungen. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Da können sie scannen und imitieren und analysieren und manipulieren, so viel sie wollen, die Aliens. Sie müssen schon ein wenig länger leben unter den Menschen, damit sie ihre ‚Sprache‘ verstehen. Wie war der Witz mit den Spiegeleiern in der Bratpfanne noch gleich? Das Geheimnis, zwischen den Zeilen lesen zu können, haben sie nicht verstanden, selbst wenn es ihnen gelingt, in die eine oder andere Rolle zu schlüpfen, vorübergehend. Sie verstehen Bahnhof. Doch halt, da gibt es eine Ausnahme: Alien Mandy ist bereit zu bleiben, auf der Erde. Und die Sprache? Die Sprache der Liebe ist überirdisch, überschreitet alle Grenzen – mit Herz und Verstand. Fazit: die Menschen sind schon komische Wesen – die Aliens auch!

Soweit zur Aufführung der ersten Truppe: sie war mit großem Engagement und ungeheuer viel Enthusiasmus dabei. Für alle Zuschauer sichtbar! Die zweite Truppe – der andere DS-Kurs – lebte schon 2066, allerdings mit Sitten und Gebräuchen, die der heutigen Welt noch ziemlich ähnlich sind. Erstaunlich! Erstaunlich! Da gibt es immer noch die ‚heilige Familie‘ samt unheiliger Problematik: das ‚missratene Kind‘ soll ersetzt werden, bis man begreift, dass es einem vielleicht ähnlicher ist, als man glaubte, und sich doch nach ihm sehnt. Der Viagra-Lieferservice und die Werbe-Western-Assoziationen und des Deutschen liebstes Kind, das eigene Auto, sind schon heute nichts Neues mehr. Roboter und Spülmaschinen haben wir ebenso – seit 20 Jahren waschen nur Freaks ihr Geschirr mit der Hand und sogar die maschinelle Haushaltshilfe hielt schon Einzug. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden sich wahrscheinlich kaum geändert haben, aber der Kontext schon, meine ich: Da hätte man die Fantasie viel mehr spielen lassen sollen.                                                          

Was wirklich berührte und nachdenklich stimmte, war die Vorurteils-Problematik. Hier waren sie großartig – die Schauspieler/innen – und die Idee an sich ist es ebenso. Bloß weil jemand optisch anders aussieht, vermeint man, dass er auch anders sei. Die Ignoranz der Menschen einer sich verändernden Welt gegenüber ist nahezu peinlich. Bravo Leute, Darsteller/innen wie Techniker! Sensibler Einfall, gut umgesetzt! Wollen wir alle hoffen, dass es in 50 Jahren anders sein wird.

Schlussendlich will ich nicht versäumen, die Schüler selbst zu Wort kommen zu lassen, denn es geht um drei Jahre Unterrichtsarbeit und nicht nur um einen Drei-Tage-Event:

HI FANS! Wer diesen Ausdruck nicht kennt, tja, der hatte nie bei Frau Zschunke Unterricht. Drei volle Jahre haben wir mit ihr witzige Stücke entwickelt. Wir würden lügen, wenn wir sagten: es war immer einfach. Aber auch aus Problemen kann man etwas machen und manchmal sind daraus die besten Ideen entstanden. Also nur keine Bange – stürmt die Bühne. Für alle diejenigen, die sich überlegen, den DS-Kurs zu besuchen: Bringt starke Nerven, Spaß und eine Menge Fantasie mit. Sonst – äh, na ja – sonst wird das leider nichts mit dem ‚einfachsten‘ Fach der Schule. Nein, jetzt mal wirklich, im Ernst, es war eine tolle Zeit und wir hatten viel Spaß!

Wir bedanken uns bei Herrn Schmidt-Ihnen und der Schulleitung für das Verständnis und für die freundliche Unterstützung. Wir danken dem Hausmeisterteam, das geduldig unsere Extrawünsche erträgt und uns immer hilfsbereit zur Seite steht; unser Dank gilt Herrn Reinoga für den Druck der Plakate und Paul Schmidt für seinen Einsatz als Darsteller beim Video; wir bedanken uns bei Herrn Pokowietz, ohne den vermutlich gar keine Vorstellung denkbar wäre.

 

DANKE an alle ZUSCHAUER, MITWIRKENDEN und vor allem an FRAU ZSCHUNKE!

Offensichtlich machte den Schüler/innen sowohl die Erarbeitung ihrer Stücke als auch die Aufführungen an den drei Abenden viel Freude! Und nun? Nach dem Happy End wird jewöhnlich abjeblendt!

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