Abiball 2016

Circus Abigalli

Alle Jahre wieder und doch immer anders

Ja, so ist das an einem Gymnasium: alle Jahre wieder steht am Ende des Schuljahres ein rauschendes Fest für und von Abiturientinnen und Abiturienten. Und doch ist es jedes Jahr ein wenig anders, in jeder Schule, selbst bei uns – dem Barnim-Gymnasium. Selbst wenn wir es immer im Estrel Berlin feiern. Selbst wenn es formal ein Déjà-vu ist. Auch dieses Mal lag die Gestaltung des Abends in den Händen der Reifegeprüften. Auch dieses Mal gelang ihnen ein amüsanter Abend für alle Beteiligten. Auch dieses Mal waren nur strahlende Gesichter unterwegs – gepaart mit viel Stolz auf ihre Leistungen. Nichtsdestotrotz war er einzigartig, dieser Circus Abigalli, und seine Stars waren für ein paar Stunden vollkommen glücklich.

 

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Apropos Glück, das war das Motto der Rede unseres Schulleiters, Herrn Schmidt-Ihnen, die er halten durfte – ansonsten waren die Lehrer/innen mehr oder weniger Statisten; sie durften die Zeugnisse austeilen – aber Glanz und Gloria lagen bei den Stars der Manege. Eh bien, voilà!

Es sei ihnen gegönnt! Sie haben ein Lob verdient für ihr immenses Engagement, ihre künstlerischen Präsentationen, ihren verdienten Erfolg – überhaupt und an ihrem ganz besonderen Tag. Ein Gesamtdurchschnitt von 2,2 spricht für sich. Ein guter Jahrgang, der wohl wenig gesetzt hatte auf das Zufallsglück; zumindest an diesem Abend garantiert ein fabelhaftes Seelenglück empfand und dessen Lebensglück nur so weitergehen kann: Viel Glück et bonne chance!, wünschte unser Schulleiter am Ende seiner nachdenklichen Auslegung des ewigen Sujets.

Es ging weiter, weiter, immer weiter – mit vielen leuchtenden Programmpunkten und vielen glamourösen Auftritten. An dieser Stelle alles aufzuschreiben, würde zu einer Erzählung geraten. Nur wer soll das alles lesen? Zumal jeder wohl seine ganz persönliche Stimmung und seinen ganz individuellen Blickwinkel im Knopfloch mit sich nehmen sollte. Die Spotlights hatten jedenfalls viel zu tun beim Wandern von einer Performance zur andern.

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Und ach ja, was dem Schulleiter recht, sollte den Abiturient/innen billig sein: Zwei Auserwählte schmetterten ihre Rede ins Zelt des Abigalli-Circus, die weiter unten* nachgelesen werden kann.

Wann und wie der Abend aufhörte, entzieht sich meiner Kenntnis, aber als ich den Zirkus verließ, tanzten die brillanten Kleider und die stattlichen Anzüge in der noch funkelnden Manege. Wo waren eigentlich die obligatorischen Clowns der Vorstellung? Hatte ich die etwa verpasst?

Maggie Werner

Die bunten Bilder stammen – wie immer – fast alle von Foto-Kirsch

Lena Simmat (Gesang) und Julia Grassow (Klavier) u. a. mit Nina Simones Feeling Good

*Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Familie, liebe Lehrer und Lehrerinnen und natürlich liebe Abiturienten und Abiturientinnen,

es freut uns, dass Sie alle heute so zahlreich erschienen sind, um mit uns unser bestandenes Abitur zu feiern. Bevor wir, Abiturientinnen und Abiturienten, in einen neuen Lebensabschnitt aufbrechen, möchten wir darauf zurückblicken, wie der steinige Weg anfing, der uns bis hierher führte.

Es ist schon ziemlich lange her, dass wir uns das erste Mal in der Aula zur Einteilung der 5. oder 7. Klassen begegneten. Wir alle waren ziemlich aufgeregt, da wir nicht wussten, was auf uns zukommen würde. Schon in der Grundschule waren wir vor den großen Gefahren der Oberstufe gewarnt worden. Natürlich waren diese Jahre manchmal nicht einfach, aber so wie wir alle hier sitzen, regnete dann doch früher oder später die Geniewolke über uns ab und wenn wir jetzt auf die letzten sechs oder acht Jahre zurückblicken, so waren die Worte der Lehrer und Lehrerinnen mehr Schein als Sein.

Wenn ich an die ersten Blöcke zurückdenke, hinterließ vor allem einer einen bleibenden Eindruck. Stellen Sie sich bitte vor, man ist neu an der Schule, man kennt keinen seiner Mitschüler, keinen seiner Lehrer. Man sitzt ruhig und ohne sich einer Schuld bewusst zu sein im Unterricht und plötzlich schreit einen die Lehrerin an, man solle den Raum verlassen. Unter den ungläubigen Ausrufen seiner Mitschüler tut man dies auch. Man wartet draußen und die Schritte tragen einen nervös auf und ab, während man im Kopf hin und her wälzt, was man falsch gemacht haben könnte. Nach gefühlten Jahren öffnet die besagte Lehrerin die Tür und erklärt einem dann, dass man den Raum verlassen sollte, um die Aufmerksamkeit der anderen Schüler zu testen, die in der Zeit beschreiben sollten, welche Kleidung man trage. Wie sagt man so schön: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck und dies war der erste bleibende Eindruck, den ich von dieser Schule hatte. Später lernte man die Lehrer besser kennen und neue, schöne Erinnerungen entstanden.

Von den vielen neuen Lehrern, die man kennen lernte, wurden einige mit der Zeit zu geliebten und andere zu ach so geliebten Lehrern. Auch wenn man sich zu dem Zeitpunkt über den einen oder anderen Lehrer aufgeregt hatte, so ist man ihm heute manchmal für dezente Hinweise wie die damaligen Arschtritte ziemlich dankbar. Doch es gab natürlich nicht nur die Lehrer, die man nicht ausstehen konnte, sondern auch die, die für uns eine wichtige Bezugsperson wurden, wie zum Beispiel einige Tutoren, und bei Ihnen möchten wir uns für ihr Engagement vor dem ganzen Jahrgang bedanken und natürlich möchten wir uns nicht nur bei den Tutoren, sondern bei allen Lehrern und Lehrerinnen für ihre Unterstützung und ihren Einsatz bedanken.

Besonders hervorzuheben ist hierbei das Engagement der pädagogischen Koordinatoren, die uns dabei halfen, uns im Dschungel des Kurswahlsystems einen Weg zu bahnen und die beste Abiturnote für uns auszurechnen.

Liebe Lehrer und Lehrerinnen, nun können wir ja ehrlich sein, die Hausaufgaben, die manchmal vergessen wurden, wurden absichtlich nicht angefertigt. Wir hoffen darüber können Sie hinweg schauen und wenn nicht, lässt sich das jetzt auch nicht mehr ändern.

Die letzten zwei Jahre vergingen wie im Fluge. Anfangs dachte man noch, dass man massig Zeit haben würde, sich auf alles vorzubereiten, doch ehe man sich versah, steckte man bereits in den Vorbereitungen der Präsentationsprüfung. In dieser Zeit flossen viel Fleiß, Tränen und Schweiß, aber wir denken, dass wir für alle sprechen, wenn wir sagen, dass dies ohne die Hilfe des Internets und vor allem ohne Wikipedia nicht möglich gewesen wäre. Diese Anstrengungen haben sich im Endeffekt ausgezahlt, denn wir verlassen diesen Saal nicht nur mit einem erfolgreichen Abschluss, sondern auch mit der einen oder anderen Lebensweisheit, wie zum Beispiel „Einmal geschrieben, ist einmal gelernt“ oder „Was man nachschlagen kann, muss man nicht auswendig lernen“. Trotz allem bleiben einige Fragen offen, zum Beispiel wie wir eine Steuererklärung ausfüllen mit dem Wissen, eine Stammfunktion bilden zu können. Doch vielleicht lernt man dies am besten mit einem Sprung ins kalte Wasser.

Eigentlich unfassbar, dass unsere Schullaufbahn und damit 12 Jahre unseres Lebens nun zu Ende sind. Einige werden studieren, andere eine Ausbildung absolvieren oder die Möglichkeit nutzen, ins Ausland zu gehen, doch vielleicht wird es auch einige geben, die zu Hause bleiben und sich erst einmal ihre Zeit mit anstrengenderen Dingen – wie Zocken – vertreiben werden.

Fest steht nur, dass wir uns so, in dieser Jahrgangskonstellation, heute das letzte Mal sehen. So traurig dieser Moment auch erscheinen mag, so schauen wir doch auf wunderbare und unvergessliche Jahre mit diesem Jahrgang zurück.

Wenn wir ein Modell für die Schule und diesen Jahrgang finden müssten, welches wäre dann geeignet? Mir ist bewusst, dass Physik bei diesem Jahrgang so beliebt war, dass es viele vor lauter Liebe gleich mal abgewählt hatten. Lassen Sie mich trotzdem den Versuch wagen, ein Modell zu entwerfen: Stellen wir uns die Schule als Sonne vor. Sie ist die leuchtende Instanz, zu der wir empor sehen und die unsere Bahn bestimmt. Die Lehrer umkreisen unermüdlich die Sonne wie Planeten. Doch was sind wir Schüler und Schülerinnen in diesem Modell? Am Anfang umkreisen wir als Klassenverband unsere Klassenlehrer als eine Art Satellit. Die gravitative Anziehung der Klassenlehrer hielt uns manchmal gezwungenermaßen auf unserer Bahn. Mit der Zeit bildeten sich Gruppen von Objekten heraus, die uns durch turbulente Zeiten begleiteten und ohne die  wir uns unser Leben heute kaum vorstellen können. Jedes Zeugnis gab uns den Impuls, eine von unserem Klassenlehrer weiter entfernte Bahn zu ziehen. Der Mittlere Schulabschluss gab uns schließlich die nötige Energie, die Anziehung des Klassenverbandes zu überwinden. Für einige reichte nun die Energie aus, um das System zu verlassen und ihr Glück im Universum zu suchen. Die übrigen von uns zogen ihre Bahn nur noch um die Sonne. Die Einteilung in Klassen war also Geschichte und wir sahen durch das Kurssystem über den Rand unseres Klassenhorizontes hinaus. Alte Gruppen von Objekten brachen auseinander, neue Gruppen  bildeten sich und neue Freundschaften entstanden. Doch egal wann sie begann, die Länge der Freundschaft ist nicht so wichtig, wie die Anzahl der schönen Momente, die man mit den Freunden erlebte. Man ging durch dick und dünn, war für die anderen da und genoss einfach die gemeinsame Zeit. Und nicht nur Freunde beeinflussten uns. Das Modell, was ich eben aufwarf, stellt ein sogenanntes Mehrkörpersystem dar, das sich im Laufe der Zeit ziemlich chaotisch verhalten kann: Wenn auch nur ein Körper nicht dort gewesen wäre und wir nicht von all den Menschen, die wir im Guten wie im Schlechten kennen lernen durften, beeinflusst worden wären, würde unsere Bahn ganz anders verlaufen und wir wären nicht die Personen, die wir heute sind. Dafür möchten wir uns bei euch allen bedanken. Ihr seid der beste Jahrgang, den wir besuchen durften.

Der Zusammenhalt wurde ebenfalls durch diverse Kursfahrten gestärkt, wie zum Beispiel die Abschlussfahrt der 10. Klasse, die wahrscheinlich keiner vergessen wird und darüber schweigen wir lieber, denn wie heißt es so schön: Was der Lehrer nicht weiß oder nicht wissen will, macht ihn nicht heiß. Obwohl die meisten Lehrer hier wahrscheinlich mehr wissen, als sie zugeben wollen oder als wir es vermuten. Wie dem auch sei, wir können auf schöne gemeinsame Fahrten – wie zum Beispiel nach London oder Rom – zurückblicken, bei denen wir selbstständig sein konnten, was uns so manche Eltern sicherlich nicht zugetraut hätten.  Auch im Unterricht hatten wir ziemlich oft etwas zu lachen, selbst wenn manche Lehrer der Meinung sind, dass es in ihrem Unterricht keinen Grund zu lachen gäbe.

Wir erinnern uns an: lustige Youtubevideos, in denen wir das Kiezdeutsch näher kennenlernen durften, das bestellte Essen im Unterricht, Eisessengehen, den mitgebrachten Kuchen, als jemand mal Geburtstag hatte oder dies im Kurs schon seine Tradition gefunden hatte,  Spiele im Unterricht, den Gang zu McDonalds nach einer gewonnenen Wette, Nachrichten, die per Handy geschrieben wurden und noch unzählige weitere Dinge, die wir hier aus Zeitgründen nicht aufzählen können.

An dieser Stelle wollen wir auch an unseren Abistreich erinnern und uns bei allen bedanken, die dafür sorgten, dass alles reibungslos ablief und bei all denen, die am Ende zum Aufräumen blieben.

Sogar über die ausfallenden Stunden freuten wir uns anfangs, bis uns klar wurde, dass wir in der folgenden Woche die Klausur schreiben würden. Wegen der ausfallenden Stunden fragten uns unsere Eltern, ob wir überhaupt noch zur Schule gehen würden. Und ja liebe Eltern, wie Ihr sehen könnt, wir sind zur Schule gegangen und haben sogar, welche Überraschung!, das Abitur bestanden.

Und wir wollen uns bei den Personen bedanken, die uns prägten und uns auf unserem, manchmal nicht leicht zu ertragenden Weg, unterstützten: bei unseren Eltern, Geschwistern, Großeltern und sonstigen Verwandten. Denn auch diese Personen haben ihren Anteil an unserem bestandenen Abitur.

Mit diesem Abend endet die Zeit, in der die Schule uns ein helles Licht am Horizont war. Das Abitur verlieh uns schließlich das Quäntchen Energie, das uns fehlte, um das Sonnensystem hinter uns zu lassen, in die Weite des Alls hinauszuziehen und nach neuen Leitsternen zu greifen. Ob dieses Modell Sinn macht oder eher nicht sinnvoll ist, will ich der Meinung jedes Einzelnen überlassen. Jedoch lassen Sie mich bitte zwei letzte Schlussfolgerungen ziehen: Die Gravitationskraft ist eine Kraft, die eine unbegrenzte Reichweite hat. Das heißt, egal wie weit wir uns von der Schule entfernen und wie lange es her ist, als wir sie verließen, sie hat die Grundlage für unsere Bahn gelegt und sie wird uns immer beeinflussen.

Für den letzten Punkt möchte ich das Modell mit Hilfe eines Wissenschaftlers, der in keinem physikalisch noch so angehauchten Vortrag fehlen darf, erweitern: Wenn wir uns jetzt in die Weiten des Raumes begeben, sollten wir bedenken, dass laut der Erkenntnisse Albert Einsteins nicht nur der Raum unsere Bahn beeinflusst, sondern dass wir alle auch den uns umgebenden Raum und die Bahn aller Menschen um uns herum verändern.

Zum Schluss möchten wir uns bei allen Lehrern und Lehrerinnen, den sonstigen Mitarbeitern des Barnim-Gymnasiums, den Abiturientinnen und Abiturienten für sechs bzw. acht wunderbare Jahre bedanken und allen viel Glück und Erfolg auf ihrem weiteren Weg wünschen: Mit diesem ganz besonderen Abend verlassen die Stars die Manege. 

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